.ausgestrahlt-Blog

02.10.2019 | von Jan Becker

„Climate Crisis Conference“

Am kommenden Wochenende lädt die internationale Atomlobby nach Wien zur ersten „eigenen Klimakonferenz“. Atomkraftgegner*innen haben einen Parallelgipfel organisiert, die „Climate Crisis Conference“.

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Foto: dont-nuke-the-climate.org 2017 in Bonn: Demo anlässlich der Klimakonferenz

Die Konferenz der Atomlobby wird initiiert vom der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) in Zusammenarbeit mit Nuclear Energy Agency (NEA) sowie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). „Führende Redner*innen“ aus aller Welt wollen sich über die Rolle der Atomenergie bei der Bekämpfung des Klimawandels austauschen. Neben Größen aus den Lobbyverbänden, Urankonzernen oder Energieunternehmen aus aller Welt ist darunter auch der Vorsitzender des Weltklimarates, Hoesung Lee.

Kritische Parallelkonferenz

Während die Atomlobby „CO2-freien“ Strom aus neuen Mega-AKWs als Lösung für die Erderwärmung verspricht, entgegen Atomkraftgegner*innen: Atomkraft ist zu teuer, zu langsam, zu dreckig, zu gefährlich. Parallel zur Lobbykonferenz wurde für Montag, 7. Oktober, die „Climate Crisis Conference“ organisiert, die unweit des IAEO-Tagungsortes in Wien stattfindet.

Der einzige Weg, die Einflüsse des Energieverbrauchs auf die globale Erwärmung zu stoppen, ist so schnell wie möglich zu den Erneuerbaren Energien wechseln, heißt es im Aufruf zur Anti-Atom-Tagung. Atomkraft ist kein Klimaretter, im Gegenteil verschärft sich die Krise, weil der Einsatz von sauberen Energiesystemen verhindert werde.

Neben dieser Grundsatzkritik nimmt die „Climate Crisis Conference“ auch die Kosten von Unfällen und Haftungsfragen für die von der Atomlobby angekündigten „Small Modular Reactors“ in den Fokus. Überschätzen die Szenarien von IEA, IAEA oder IPCC die Rolle der Atomkraft?, dazu werden kritische Autor*innen des IPCC Stellung nehmen. Ob der Betrieb einer sehr alten AKW-Flotte überhaupt ein realistisches Szenario gegen Erderwärmung ist, dazu wird von der International Nuclear Risk Assessment Group (INRAG) aus ihrer Studie referiert. Sehr passend wird die Fachtagung mit dem Vortrag: Die „Erneuerbare Revolution“ – die wirkliche Antwort auf die Klimakrise, enden.

Am Rande ist zu erwähnen, dass die IAEO damit wirbt, dass ihre Veranstaltung ein „green meeting“ werden soll. Man wolle das „Engagement für Nachhaltigkeit“ demonstrieren, unnötiger Müll soll vermieden werden. Kling gut, aber besser wäre es, wenn kein ATOMMÜLL mehr produziert wird.

weiterlesen:

  • Studie: Klimawandel & Atom
    Atomenergie ist „schlicht zu schwerfällig und teuer, um als Alternative für den Klimaschutz konkurrenzfähig zu sein“, so Mycle Schneider, Herausgeber des aktuellen „World Nuclear Status Report“.

  • Atomstrom ist kein Klimaretter
    Too dirty, too dangerous, too expensive, too slow – darum kann Atomkraft das Klima nicht retten. Der einzige Weg, die Einflüsse des Energieverbrauchs auf die globale Erwärmung zu stoppen: so schnell wie möglich zu den Erneuerbaren Energien wechseln!

  • Atomkraft hat ihren Höhepunkt überschritten
    13.08.2019 - Wenige Jahre vor der Stilllegung der letzten deutschen Meiler werden die Forderungen nach Laufzeitverlängerungen oder gar nach dem Neubau von Reaktoren immer lauter. Dass der deutsche Atomausstieg kein „Sonderweg“ ist, wie es derzeit von einigen Politiker*innen und aus Wirtschaftkreisen behauptet wird, belegen auch die Statistiken der Internationalen Atomenergiebehörde.

Quellen (Auszug): dont-nuke-the-climate.org, de.wikipedia.org, iaea.org

Jan Becker

Jan Becker hat jahrelang die Webseite www.contrAtom.de betrieben und täglich aktuelle Beiträge zur Atompolitik verfasst. Seit November 2014 schreibt der studierte Umweltwissenschaftler für .ausgestrahlt. Jan lebt mit seiner Familie im Wendland. Mit dem Protest gegen regelmäßig durch seine Heimatstadt Buchholz i.d.N. rollende Atommülltransporte begann sein Engagement gegen Atomenergie, es folgten die Teilnahme und Organisation zahlreicher Aktionen und Demonstrationen.

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