Atomkraft in der Schweiz
Die Schweiz hält an ihren alten Atomkraftwerken fest – und diskutiert über neue Reaktoren. Die Risiken der alternden Anlagen und die ungelöste Atommüllfrage auch Deutschland betreffen. .ausgestrahlt fordert einen verbindlichen Ausstiegsfahrplan.
Die vier Schweizer Reaktoren an den Standorten Beznau, Gösgen und Leibstadt haben keine gesetzlich festgelegten Laufzeiten. Beznau 1 ist seit 1969 in Betrieb und gehört zu den ältesten noch laufenden Reaktoren der Welt. Die Betreiberin Axpo hat angekündigt, Beznau 1 und 2 voraussichtlich 2033 beziehungsweise 2034 stillzulegen. Für die beiden größeren AKW Gösgen und Leibstadt gibt es dagegen keine vergleichbare feste Abschaltperspektive. Das AKW Mühleberg wurde 2019 endgültig stillgelegt.
Alle vier Schweizer Reaktoren stehen nahe oder direkt an der deutschen Grenze – doch die Risiken machen an der Grenze nicht halt. Das AKW Leibstadt liegt unmittelbar am Rhein, Beznau rund fünf Kilometer und Gösgen etwa 20 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt. Ein schwerer Atomunfall könnte deshalb erhebliche Folgen für Deutschland haben. Eine von .ausgestrahlt und dem Trinationalen Atomschutzverband (TRAS) veröffentlichte Studie untersucht die möglichen Auswirkungen radioaktiver Freisetzungen auf Deutschland. Die Modellrechnungen zeigen, dass Deutschland bei vielen Wetterlagen besonders stark betroffen wäre. .ausgestrahlt fordert deshalb unter anderem einen verbindlichen Ausstiegsfahrplan und eine bessere grenzüberschreitende Beteiligung an Sicherheitsbewertungen.
In der Schweiz gibt es eine Diskussion über das 2017 beschlossene Neubauverbot. Im Juni 2026 hat das Schweizer Parlament beschlossen, das Verbot für den Bau neuer Atomkraftwerke aufzuheben. Damit könnten künftig wieder neue AKW gebaut werden. Gegen die Entscheidung wurde ein Referendum gestartet – nun könnte die Schweizer Bevölkerung darüber abstimmen.
Auch die Schweiz steht vor der langfristigen Aufgabe, ihre radioaktiven Abfälle sicher zu lagern. Die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) schlägt die Region Nördlich Lägern als Standort für ein geologisches Tiefenlager vor. Die Region liegt nahe der deutschen Grenze zu Baden-Württemberg. Das Bewilligungsverfahren läuft; die möglichen grenzüberschreitenden Auswirkungen sind auch für Deutschland von Bedeutung.
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