Atomkraft in der Schweiz
Die Schweiz hält an ihren alten Atomkraftwerken fest – und diskutiert über neue Reaktoren. Die Risiken der alternden Anlagen und die ungelöste Atommüllfrage betreffen auch Deutschland. .ausgestrahlt fordert einen verbindlichen Ausstiegsfahrplan.
Die vier Schweizer Reaktoren an den Standorten Beznau, Gösgen und Leibstadt haben keine gesetzlich festgelegten Laufzeiten. Beznau 1 ist seit 1969 in Betrieb und gehört zu den ältesten noch laufenden Reaktoren der Welt. Die Betreiberin Axpo hat angekündigt, Beznau 1 und 2 voraussichtlich 2033 beziehungsweise 2032 stillzulegen. Für die beiden größeren AKW Gösgen und Leibstadt gibt es keine vergleichbare feste Abschaltperspektive. Das AKW Mühleberg wurde 2019 endgültig stillgelegt.
Alle vier Schweizer Reaktoren stehen nahe oder direkt an der deutschen Grenze – doch die Risiken machen dort nicht halt. Das AKW Leibstadt liegt unmittelbar am Rhein, Beznau rund fünf Kilometer und Gösgen etwa 20 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt. Ein schwerer Atomunfall könnte deshalb erhebliche Folgen für Deutschland haben. Eine von .ausgestrahlt und dem Trinationalen Atomschutzverband (TRAS) veröffentlichte Studie untersucht die möglichen Auswirkungen radioaktiver Freisetzungen auf Deutschland. Die Modellrechnungen zeigen, dass Deutschland bei vielen Wetterlagen besonders stark betroffen wäre. .ausgestrahlt fordert deshalb unter anderem einen verbindlichen Ausstiegsfahrplan und eine bessere grenzüberschreitende Beteiligung an Sicherheitsbewertungen.
In der Schweiz gibt es eine Diskussion über das 2017 beschlossene Neubauverbot. Das Schweizer Parlament hat im Juni 2026 entschieden, das seit 2017 geltende Verbot für neue AKW aufzuheben. Dagegen wurde ein Referendum ergriffen – die Bevölkerung kann damit über die Gesetzesänderung abstimmen. Das nötige Quorum wurde deutlich überschritten; die Volksabstimmung darüber, ob neue AKW grundsätzlich wieder genaut werden dürfen, soll voraussichtlich Anfang 2027 stattfinden.
Auch die Schweiz steht vor der langfristigen Aufgabe, ihre radioaktiven Abfälle sicher zu lagern. Die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) schlägt die Region Nördlich Lägern als Standort für ein geologisches Tiefenlager vor. Die Region liegt nahe der deutschen Grenze zu Baden-Württemberg. Das Bewilligungsverfahren läuft; die möglichen grenzüberschreitenden Auswirkungen sind auch für Deutschland von Bedeutung.
Atomkraft in der Schweiz - Ankündigungen vs. Realität
Atomkraft-Ankündigungen: Das Parlament will den Weg für neue AKW wieder öffnen. Das Neubauverbot soll fallen – über die Gesetzesänderung wird voraussichtlich 2027 abgestimmt.
Atomkraft-Realität: Die vier bestehenden Reaktoren sollen weiterlaufen; konkrete Neubaupläne gibt es nicht. Der Anteil der Atomkraft an der Stromerzeugung lag 2025 bei 27,2 Prozent.
Erneuerbaren-Wachstum: Der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung ist von 56 Prozent (2005) auf 68 Prozent (2025) gestiegen – ein Plus von knapp 1 Prozent pro Jahr.
Erneuerbaren-Realität: 2025 stammten fast 56 Prozent des Schweizer Stroms aus Wasserkraft. Photovoltaik lieferte 11,8 Prozent, Windkraft 0,2 Prozent.