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15 Gründe, warum Atomkraft keine Option gegen den Klimawandel ist


1. Atomkraft ist zu schwach

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Derzeit deckt Atomkraft mit rund 400 Reaktoren nur zwei Prozent des Weltenergiebedarfs und hat somit keinen Effekt auf die Klimabilanz. Im Strommix spielt Atomenergie mit einem Anteil von etwa zehn Prozent ebenfalls keine große Rolle. Selbst eine Verdopplung der Kapazitäten würde keinen merklichen Unterschied machen. Für den Energiesektor ist Atomkraft insgesamt nicht mehr als eine Nischentechnologie.


2. Atomkraft ist ein Auslaufmodell

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Der globale Atompark schrumpft, seine Kapazitäten sind rückläufig. Im Jahresverlauf 2019 etwa gingen zwar sechs neue Kraftwerke ans Netz, gleichzeitig wurden jedoch 13 Reaktoren stillgelegt und die Gesamtleistung weltweit um 5,1 Gigawatt verringert. Das Durchschnittsalter der Reaktoren liegt bei über 30 Jahren. Viele Meiler stehen kurz vor Ende der auf maximal 40 Jahre ausgelegten Betriebsdauer. Nur um alte AKW zu ersetzen, müssten in den nächsten zehn Jahren fast 100 neue Atomkraftwerke ans Netz gehen. Auf die kommenden zwei Dekaden gerechnet, wären fast 300 neue Reaktoren nötig, wollte die Atomindustrie auch nur bestehende Kapazitäten erhalten. Alte Reaktoren müssen vom Netz, gleichzeitig kommen aber kaum neue Kraftwerke nach. 2020 befinden sich weltweit insgesamt gerade einmal 46 AKW in unterschiedlichen Bauphasen.


3. Atomkraft ist zu langsam

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Mit Planung und Bau vergehen bis zur Inbetriebnahme eines AKW leicht 20 Jahre. Im internationalen Durchschnitt dauert alleine der Anlagenbau etwa zehn Jahre. Zudem sind AKW-Projekte mit vielen Unsicherheitsfaktoren behaftet. Abweichungen vom Zeitplan mit teilweise immensen Verzögerungen sind der Regelfall. Der Klimawandel lässt sich jedoch nicht im Schneckentempo aufhalten. Eine Senkung der Treibhausgase im Energiesektor muss konsequent und so schnell wie möglich erfolgen. Das geht auf Basis regenerativer Energien. Die Errichtung von Solar- oder Windparks etwa kann innerhalb von zwei bis fünf Jahren realisiert werden. Selbst wenn der Bau mehrerer Tausend AKW möglich wäre, für das Klima käme die vermeintliche Hilfe zu spät.


4. Atomkraft ist nicht wettbewerbsfähig

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Atomkraft ist die teuerste Energieform. Allein der Bau eines AKW kostet im internationalen Durchschnitt bereits rund zehn Milliarden Euro. Tauchen Mängel und Probleme auf, können die Kosten leicht explodieren. Gegenüber Erneuerbaren Energien ist Atomkraft nicht wettbewerbsfähig und für Investor*innen ohne staatliche Fördermittel uninteressant. Während die Kosten für neue Windkraft- und Photovoltaikanlagen kontinuierlich fallen, steigen sie für den AKW-Neubau. Übertragen auf die Megawattstunde ist Atomstrom aktuell etwa dreimal so teuer wie Ökostrom.


5. Atomkraft ist zu teuer

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Keine private Bank weltweit stellt Geld für AKW-Neubauten zur Verfügung. Privatwirtschaftlich war Atomkraft von Anfang an unrentabel. Bezahlbar ist sie nur, wenn sie mit direkten und versteckten staatlichen Subventionen gepusht wird. Die tatsächlichen Kosten werden nicht über den Strompreis abgerechnet, sondern von der Bevölkerung auf Umwegen mit Hunderten Milliarden Euro teuer bezahlt. Ein entscheidender Faktor dabei ist, dass die Kosten auch auf zukünftige Generationen übertragen werden. Hinzu kommt das Risiko eines Atomunfalls, der neben der humanitären Katastrophe auch immense volkswirtschaftliche Schäden zur Folge hätte. Ein Super-GAU könnte Kosten in Billionenhöhe verursachen. Das hat die Prognos AG bereits vor 25 Jahren in einer Studie für das Bundeswirtschaftsministerium errechnet. Der Betrieb von Atomkraftwerken bedeutet die Inkaufnahme untragbarer staatlicher Haftungsrisiken und hoher Folgekosten.


6. Atomkraft ist schlecht fürs Klima

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Jeder Euro, der in Atomkraft fließt, fehlt für den Ausbau Erneuerbarer Energien und für Investitionen in Speichertechnologien und Energieeffizienz. Diese Maßnahmen sind nötig, um Treibhausgase schnell und dauerhaft zu senken. Investitionen in Atomkraft sind somit nicht nur unwirksam, sondern sogar schädlich fürs Klima. Es ist daher von entscheidender Bedeutung, dass politische Bestrebungen einzelner EU-Mitgliedsstaaten, die Atomkraft als klimafreundliche Energiequelle klassifizieren wollen, damit Atom-Investitionen die Bedingungen für Nachhaltigkeitsfonds erfüllen, sich nicht durchsetzen. Ebenso darf die Option, laufende Nuklearforschung als Klimaschutzmaßnahme zu verbuchen, die in europäischen Gremien ernsthaft diskutiert wird, keine Mehrheit finden. Denn das hieße, dass die EU ein Teil des vereinbarten Klimaschutz-Budgets durch einen buchhalterischen Trick einsparen würde. Wer Atomkraft fördert, verhindert Klimaschutz.


7. Atomkraft und Erneuerbare vertragen sich nicht

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Atomkraft steht ebenso wie die Kohleverstromung für ein zentralistisches, träges, ineffizientes Versorgungssystem, das auf dem Prinzip der Grundlastsicherung basiert. Erneuerbare dagegen weisen den Weg in eine nachhaltige, dezentral ausgerichtete Energieversorgung und eine effizienzorientierte, flexible Steuerung der Netze. Diese beiden Systeme sind nicht kompatibel, sie stehen in Konkurrenz zueinander. AKW können ihre Leistung nicht flexibel genug regeln, um sie auf regenerative Energiequellen abzustimmen. Stattdessen erfolgt die Anpassung meist umgekehrt: Wind- und Solarstrom müssen weichen, wenn eine Netzüberlastung droht. Windräder stehen dann bei Sturm still, während Atommeiler weiterlaufen. Die politische Konsequenz: Ausbaubeschränkungen bei den Erneuerbaren, diese fügen der Branche erheblichen Schaden zu und verprellen Investor*innen, die für das Gelingen der Energiewende dringend gebraucht werden. Atomkraft ist daher keine Ergänzung im Stromnetz, sondern harte Konkurrenz für Wind- und Solarstrom.


8. Atomkraft ist nicht unerschöpflich

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Der weltweite Uran-Vorrat geht zur Neige. Bereits seit Ende der 1980er Jahre können die Uranminen den weltweiten jährlichen Bedarf nicht mehr decken. Die Atomindustrie füllt die Brennstofflücke bislang mit Material aus militärischen und zivilen Lagerbeständen. Doch auch diese sind endlich. Für die derzeit laufenden AKW reichen die Uranvorräte nur noch wenige Jahrzehnte. Ein Umschwenken auf den oftmals fälschlicherweise als harmlos gepriesenen Brennstoff Thorium ist ebenfalls keine Option. Zwar kommt Thorium häufiger in der Erdkruste vor als Uran für seinen Einsatz wären jedoch neue Reaktortypen erforderlich. Ein wesentlicher Aspekt, der ebenfalls gegen die Verwendung von Thorium spricht, ist der Umstand, dass sich aus dem Schwermetall ohne große Umwege waffenfähiges Uran-233 erzeugen lässt. Thorium-Reaktoren wären daher leichte Brutstätten für Atombomben.


9. Atomkraft ist nicht klimaneutral

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Der gesamte Lebensweg des Brennstoffs für Atomreaktoren erzeugt erhebliche Mengen CO2. Die Klimabilanz von Erneuerbaren Energien ist weitaus besser. Jede Form der Energiegewinnung erzeugt als Nebeneffekt Treibhausgas-Emissionen. Davon sind auch Erneuerbare nicht ausgenommen. Betrachtet man ihren gesamten Lebenszyklus, betrifft das vor allem die Rohstoffgewinnung und die Anlagenproduktion, aber auch ihre Stilllegung. Bei Atomkraftwerken verhält es sich ähnlich, nur sind die verursachten CO2-Emissionen pro Kilowattstunde höher als bei Windparks, Wasserkraft und auch Solaranlagen. Das ganze Ausmaß des Klimaschadens durch Atomkraft ist heute jedoch noch gar nicht absehbar. Während sich die Lebenszeitbilanz von Erneuerbaren Energien mit ihrem stetigen Ausbau verbessert, verursacht Atomkraft durch einen steigenden Energiebedarf beim Uranabbau zunehmend höhere Treibhausgas-Emissionen. Auch in Hinsicht auf CO2-Emissionen kann Atomkraft gegenüber Erneuerbaren also nicht punkten.


10. Atomkraft ist umweltschädlich

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Jedes Glied in der atomaren Produktionskette verursacht massive und irreversible Schäden. Schwerwiegende Folgen für Mensch und Umwelt entstehen nicht erst mit einem möglichen Atomunfall. Radioaktive Emissionen entstehen auf dem gesamten Produktionsweg vom Uranabbau bis zum Atommüll; bei der Herstellung der Brennstäbe, beim AKW-Betrieb, beim Anlagen-Abriss, Kurz: Im gesamten Prozess werden radioaktive Stoffe in die Umwelt abgegeben; Gewässer und Böden werden langfristig kontaminiert. Insbesondere für Menschen, die in der Umgebung der Atomanlagen leben, stellen Strahlenemissionen ein Gesundheitsrisiko dar.


11. Atomkraft ist nicht anpassungsfähig

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Der Klimawandel hat Auswirkungen auf den Reaktorbetrieb. Mit der Erderwärmung nehmen extreme Wetterlagen zu. Im Gegensatz zu den Erneuerbaren sind AKW jedoch nicht anpassungsfähig. Vielmehr erhöhen sie das Gefahrenpotenzial der sich verändernden klimatischen Bedingungen. Für AKW am Meer besteht Überflutungsgefahr. An den Fluss-Standorten droht die Überhitzung der für das Kühlsystem benötigten Gewässer. Frankreich muss im Sommer regelmäßig Strom zukaufen, weil AKW wegen aufgeheizter Flüsse stillstehen. Auch in Deutschland müssen Atom- aber auch Kohlekraftwerke mitunter wegen der Flusserwärmung im Sommer gedrosselt oder abgeschaltet werden.


12. Atomkraft ist zu gefährlich

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Wer auf Atomkraft setzt, nimmt das Risiko eines Super-GAUs und die dauerhaften Folgen für Mensch und Umwelt bewusst in Kauf. Mit einem von Atomkraftbefürworter*innen geforderten Ausbau der weltweiten Kapazitäten würde gleichzeitig die Wahrscheinlichkeit schwerer Atomunfälle zunehmen. Mit der Anzahl der Anlagen steigt zwangsläufig die Gefahr, dass Fehler gemacht werden oder technische Störungen außer Kontrolle geraten. Die Folgen eines Atomunglücks sind weder menschlich noch gesellschaftsökonomisch tragbar. Ein Super-GAU mit dauerhaften, großflächigen Kontaminationen und Massenevakuierungen kann für ein Land von heute auf morgen den sicheren Kollaps bedeuten.


13. Atomkraft erhöht die Kriegsgefahr

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Der Atomkrieg gehört zu den größten Bedrohungen für das Überleben der Menschheit. Der Betrieb von Atomreaktoren muss immer auch vor dem Hintergrund militärischer Interessen betrachtet werden. Denn Atomkraft ist die Schlüsseltechnologie für den Atomwaffenbau. Wenn Atomkraftfans von einem globalen Ausbau der Nuklearenergie träumen oder davon, die Welt irgendwann mit Mini-Reaktoren übersäen zu können, sollten sie gleichzeitig über Proliferationsrisiken nachdenken: die Gefahr der Weiterverbreitung atomarer Massenvernichtungswaffen. Wenn nicht abgerüstet, sondern stattdessen der Zugang zu Atomwaffen sogar noch erweitert wird, rückt die Bedrohung erschreckend nah, insbesondere in Zeiten zunehmend instabiler politischer Verhältnisse und einer insgesamt angespannten Weltlage.

 


14. Atommüll gefährdet kommende Generationen

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Die Atomindustrie hinterlässt radioaktive Abfälle, die über Jahrtausende hinweg eine massive Bedrohung für Mensch und Umwelt darstellen. Nach wie vor gibt es weltweit kein einziges dauerhaftes und sicheres Lager für hochradioaktiven Atommüll. Es wird keine Garantie geben können, die ausschließt, dass eingelagertes radioaktives Material in die Umwelt gelangt und das Leben derer bedroht, die sich der Gefahr eventuell überhaupt nicht mehr bewusst sind, weil das Wissen um sie verloren gegangen ist. Ebenso wird es langfristig keinen sicheren Schutz vor einem Eindringen in die Lagerstätten geben können. Die Antwort auf das Atommüll-Problem wird im besten Fall lediglich die beste aller schlechten Optionen sein können. Jedes Gramm Atommüll ist daher ein Verbrechen an kommenden Generationen, denen die Last aufgebürdet wird.


15. AKW-Flotte: alt und gebrechlich

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Das Durchschnittsalter der weltweit laufenden Reaktoren liegt bei 31 Jahren. Auch die laufenden deutschen AKW haben die 30 längst überschritten. Damit steigt das Risiko schwerer Störfälle deutlich – bis hin zum Super-GAU. Die AKW sind sicherheits- und materialtechnisch überaltert. Die massiven Vorgänge im Reaktor hinterlassen Spuren und Schäden im Material. Es wird anfälliger für Risse und Brüche. Dagegen können jegliche Instandhaltungsmaßnahmen nichts ausrichten – sie sind lediglich Flickschusterei. Jeden Tag gefährden die Meiler das Leben und die Zukunft von vielen Millionen Menschen. Dass die alten Meiler nach wie vor am Netz sind, obwohl die Risiken und Sicherheitsmängel bekannt sind, ist höchst fahrlässig.