6. März 2020

Zentrales Atommüll-Lager für ganz Deutschland in Würgassen geplant

Zahl der Atomtransporte verdoppelt sich

Die „Bundesgesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ)“ will auf dem Gelände des abgeschalteten AKW Würgassen am Dreiländereck von NRW, Niedersachsen und Hessen ein zentrales Lager für den gesamten schwach- und mittelradioaktiven Atommüll aus allen deutschen Atomkraftwerken bauen. Von Würgassen aus sollen die strahlenden Behälter dann nach und nach in reinen Atommüll-Zügen quer durch das südöstliche Niedersachsen zum Schacht Konrad in Salzgitter gebracht werden. Dort entsteht derzeit ein tiefengeologisches Lager für 300.000 Kubikmeter schwach- und mittelaktiven Atommüll.

Dazu erklärt Jochen Stay, Sprecher der Anti-Atom-Organisation .ausgestrahlt:

„Dieses sogenannte Bereitstellungslager wird nur aus einem einzigen Grund nicht direkt am Schacht Konrad gebaut: So wird verhindert, dass damit das Genehmigungsverfahren für dieses tiefengeologische Atommüll-Lager neu aufgerollt werden muss. Denn da Schacht Konrad nicht mehr dem aktuellen Stand von Wissenschaft und Technik entspricht und deshalb heute nicht mehr genehmigungsfähig wäre, soll ein neues Verfahren mit aller Macht verhindert werden. Deshalb weicht man auf das 90 Kilometer entfernte Würgassen aus.

Dafür sind die staatlichen Atommüll-Gesellschaften BGZ und der Konrad-Betreiber BGE („Bundesgesellschaft für Endlagerung“) sogar bereit, doppelte Atomtransporte in Kauf zu nehmen. Statt wie ursprünglich geplant, den strahlenden Müll aus allen deutschen Atomkraftwerken direkt zum Schacht Konrad zu bringen, wird er nun zuerst nach Würgassen geliefert und von dort aus dann in einem weiteren Transportvorgang nach Salzgitter gebracht.

Das hat unter anderem zur Folge, dass auf den Bahnstrecken aus allen Himmelsrichtungen Atommüllzüge nach Würgassen rollen, aber vor allem auch zwischen Würgassen und Salzgitter häufig reine Atommüll-Züge unterwegs sein werden. Eine mögliche Strecke dafür wäre über Uslar, Northeim, Bad Gandersheim, Seesen und Salzgitter-Bad. Alternativrouten führen über Höxter, Holzminden, Stadtoldendorf oder über Hameln und Hildesheim.

Die Inbetriebnahme von Schacht Konrad wurde immer wieder verschoben. Ursprünglich sollte hier schon in den 1990er Jahren Atommüll eingelagert werden. Derzeit ist die Inbetriebnahme für 2027 vorgesehen. Sollte sie sich weiter verzögern oder das Projekt gar ganz scheitern, was angesichts der Mängel des Bergwerks nicht ausgeschlossen ist, dann blieben riesige Mengen Atommüll für unbestimmte Zeit in Würgassen liegen.“

Kontakt

.ausgestrahlt
Jochen Stay
Telefon: 0170 9358759