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Atommüllager Schacht Asse-II

Atommülllager
Atommüllager Schacht Asse-II
Foto: Helmholtz Zentrum München
Status:
außer Betrieb
Standort:
Remlingen/Wolfenbüttel
Kategorie:
Atommülllager
Inbetriebnahme:
22. Mär 1967
Betriebsende:
31. Dez 1978

Die Asse-II ist ein ehemaliges Salzbergwerk in Niedersachsen, in das zwischen 1967 und 1978 Atommüll eingelagert wurde. Heute ist die Anlage vom Einsturz bedroht. Täglich dringen tausende Liter Wasser ein, die teilweise durch die Kammern mit dem Atommüll fließen, aufgefangen und gelagert werden müssen. Nach erheblichen Protesten aus der Bevölkerung versprach die Politik, den Atommüll zu bergen.

Unter dem Titel des „Versuchsendlagers“ wurden fast 125.000 Fässer mit schwachaktiven (LAW) und 1.300 Fässer mit mittelaktiven Abfällen (MAW) unter Tage gebracht. Aus Kostengründen ging der damalige Betreiber ab 1974 dazu über, die LAW-Abfälle in der sog. „Versturztechnik“ einzulagern: Ein Schaufelradlader kippte die Fässer über eine unterirdische Böschung ab. Der Inhalt wurde teilweise freigesetzt, in den Kammern befindet sich eine wilde Mischung aus Salz und Atommüll.

2007 wurde die endgültige Schließung der Anlage beantragt. Plan des damaligen Betreibers war es, das Bergwerk zu verfüllen. Am 1. Januar 2009 übernahm das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) den Betrieb der Asse-2, verwarf das Konzept des Vorgängers und ließ drei Schließungsoptionen vergleichen. Im Januar 2010 wurde der Plan zur Rückholung der eingelagerten Abfälle vorgestellt.

Laugenzuflüsse seit 40 Jahren bekannt

Im September 2008 wurde bundesweit über die Wassereinbrüche in der Asse berichtet. Seit 40 Jahren wusste der Betreiber vom Risiko des „Absaufens“, also noch vor der Einlagerung des Atommülls. Heute fließen täglich rund 10.000 Liter Wasser in das Bergwerk. Teilweise ist die Lauge radioaktiv kontaminiert, was auf Kontakt mit dem Atommüll zurückzuführen ist. Sie wird aufgefangen und abgepumpt.

Durch das wirtschaftliche Interesse von Atomindustrie und Politik, den angefallenen Atommüll kostengünstig zu entsorgen, wurde in der Asse-Region ein Desaster angerichtet. Das Ausmass der künftigen radioaktiven Freisetzungen ist nicht zu überschauen. Eine langfristige Verseuchung des Grundwassers kann nicht ausgeschlossen werden.

Verklappung von atomaren Abfall in der Asse

Atommüll-Räumung ungewiss

Im Jahr 2009 startet ein Untersuchungsausschuss des Niedersächsischen Landtags zur Lage in der Asse. Seit der Konzeptvorstellung 2010, den Atommüll aus dem Bergwerk zu holen, ist faktisch aber nicht viel passiert.

Einstimmig beschloss der Niedersächsische Landtag am 19. Juli 2012, dass der eingelagerte Atommüll aus der maroden Schachtanlage Asse II entfernt werden muss. Am 28. Februar 2013 wurde durch den Bundestag das Gesetz zur Beschleunigung der Rückholung radioaktiver Abfälle und der Stilllegung der Schachtanlage Asse II („Lex Asse“) beschlossen. Die Kosten werden auf vier bis sechs Milliarden Euro geschätzt, die der Steuerzahler tragen soll. Es gibt zudem Streit um den Bau eines oberirdischen Zwischenlagers für den geborgenen Müll. Mithilfe von komplizierten Bohrungen in die Atommüllkammern wird sich seit 2012 mit Kameras ein Überblick des Innenraumes verschafft.

Nach aktuellen, offiziellen Planungen soll die Bergung des Atommülls "spätestens 2033" erfolgen.

Parallel wird aber weiterhin ein „Notfallkonzept“ vorgehalten, dass vorsieht die Asse bei einem Einsturz zu fluten. Damit wäre eine Rückholung des Atommülls ausgeschlossen.

Proteste vor Ort

Rund um die Asse engagieren sich zahlreiche Menschen gegen die Atommüll-Anlage, es gibt regelmäßige Protestaktionen bis zu Benefiz-Klassikkonzerten. Zudem wurde ein politisches Begleitgremium eingerichtet.

Mitte 2012 gelang es Aktivist*innen innerhalb von nur 20 Tagen 25.000 Unterschriften gegen die Flutung der Asse zu sammeln. Diese wurden am 28. Juni 2012 an den damaligen Umweltminister Altmaier (CDU) übergeben.

Im Februar 2009 nahmen 15.000 Menschen an einer 52km langen Protest-Lichterkette von Braunschweig über die Asse-II bis zum Schacht Konrad in Salzgitter teil. Bei einer ähnlichen Aktion zum 1. Fukushima-Jahrestag wurden am 11. März 2012 von 24.000 Menschen über 80km die Atommüll-Brennpunkte in der Region Braunschweig - dazu zählt die Asse - mit einer Lichterkette verbunden.

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