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Atommülllager Morsleben

Atommülllager
Atommülllager Morsleben
Foto: PubliXviewinG
Status:
außer Betrieb
Standort:
Morsleben
Kategorie:
Atommülllager
Inbetriebnahme:
01. Jan 1971
Betriebsende:
01. Jan 1998

Ehemaliges Atommülllager in Sachsen-Anhalt, in das bis 1998 schwach- und mittelaktive Abfälle aus den DDR-Atomkraftwerken eingelagert wurde, nach der Grenzöffnung aber auch westdeutscher Müll. Das Salzbergwerk ist – wie die Asse-2 – einsturzgefährdet, der Atommüll soll aber nicht geborgen werden.

Wie auch die havarierte Asse-2 soll das Atommülllager Morsleben stillgelegt werden. Es gilt inzwischen als stark einsturzgefährdet. Bis 1998 wurden hier schwach- und mittelaktive Abfälle eingelagert, nach der Wiedervereinigung auch große Mengen aus westdeutschen Atomanlagen.

Die damalige Bundesumweltministerin Angela Merkel (CDU) ignorierte in den 1990er Jahren Expertenwarnungen, die die Standsicherheit der ehemaligen Kaligrube bezweifelten. Es gebe „kein Sicherheitsdefizit“ schrieb Merkel am 8. Juni 1995 an das Landesumweltministerium Sachsen-Anhalt. Ein Gerichtsurteil konnte die weitere Verklappung von strahlenden Abfällen stoppen.

Seitdem wird das Lager aufwendig stabilisiert. 2005 beantragte das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) die Stilllegung der Anlage beim Umweltministerium des Landes Sachsen-Anhalt (MLU). Anlässlich eines öffentlichen Erörterungsverfahrens in 2011 gab es 15.000 Einwendungen von Bürger:innen und Organisationen gegen die Pläne des damaligen Bundesamt für Strahlenschutz (BfS). Eine Stilllegungs-Genehmigung, in deren Rahmen erst der Nachweis der Langzeitsicherheit zu erbringen ist, wurde nie erteilt.

Das MLU fordert vom Betreiber nicht nur ein Konzept für die Schließung von Morsleben vorzulegen, sondern auch die konkrete Ausführungsplanung. Die Funktion der Streckenverschlüsse unter Tage sollen praktisch nachgewiesen werden. Der Bundesbehörde ist das schon lange ein Dorn im Auge. Denn dieser Nachweis gelang dem BfS in einem ersten Großversuch 2011 nicht.

Für die Ewigkeit verfüllen

Laut der Planungen soll die Grube verfüllt und versiegelt, der Atommüll also für die Ewigkeit dort eingeschlossen werden. Die Gesamtkosten für den Steuerzahler werden auf mindestens 2,2 Milliarden Euro beziffert.

Am 15. Februar 2017 kündigte das damals noch für Morsleben zuständige BfS an, den Stilllegungsantrag zurückzuziehen und neu einzubringen. 2017 übernahm die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) die Betreiberverantwortung und ist damit verantwortlich, das Bergwerk "stilllegungsfähig" zu halten. Frühestens ab 2028 ist laut heutigen Planungen mit einem Planfeststellungsbeschluss zu rechnen.

Die Probleme in Morsleben sind nicht geringer als die in der öffentlich viel diskutierten Asse-2. Doch dort gibt es bereits die politische Zusage, den Müll in 126.000 Fässern wieder zu bergen. Gelingt der Nachweis der Langzeitsicherheit in Morsleben ebenfalls nicht, steht auch hier die Rückholung der 37.000 Kubikmeter schwach- und mittelradioaktiver Abfälle an.

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