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Explosion im AKW Fukushima Daiichi

Atomunfall – sicher ist nur das Risiko

Ob technischer Defekt oder Flugzeugabsturz, Materialermüdung oder Unwetter, Naturkatastrophe oder menschliches Versagen – in jedem Atomkraftwerk kann es jeden Tag zu einem schweren Unfall kommen. Ein Super-GAU bedroht Leben und Gesundheit von Millionen.

Die hochradioaktiven Brennelemente im Reaktorkern eines AKW erzeugen eine unvorstellbar große Hitze, die permanent abgeführt werden muss – andernfalls droht eine Kernschmelze. Wie in Tschernobyl und Fukushima würden dabei große Mengen radioaktiver Stoffe ins Freie gelangen. Die Folge wären Gesundheitsschäden ungekannten Ausmaßes und eine radioaktive Wolke, die riesige Gebiete auf Jahrzehnte unbewohnbar macht. Im dicht besiedelten Europa würden Millionen Menschen Heimat, Haus und Arbeitsplatz verlieren.

Mit dem Abschalten der letzten deutschen AKW am 15. April 2023 hat sich das Atom-Risiko in Deutschland drastisch reduziert. In den Nachbarländern laufen aber nach wie vor AKW, auch in grenznahen Bereichen. Ein bei einem Atomunfall wären auch große Bereich In Deutschland betroffen. Beispielsweise könnten bei einem Unfall in einem der vier Schweizer Atomkraftwerke, übrigens die ältenten der Welt, ganz Deutschland radioaktiv kontaminieren werden. Große Gebiete könnten unbewohnbar werden und landwirtschaftliche Ernten bis hoch ins Baltikum vernichtet sein.

Bei einem schweren Atomunfall sind alle Pläne zum Katastrophenschutz Makulatur: Viel zu viele Menschen müssten in viel zu kurzer Zeit weiträumig evakuiert werden. Mit einer echten Haftpflichtversicherung, welche die bei einem Atomunfall zu erwartenden Schäden in voller Höhe abdeckt, wäre jedes Atomkraftwerk sofort unrentabel.

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Tschernobyl

Am 26. April 1986 kommt es im ukrainischen AKW Tschernobyl zum Super-GAU. In Block 4 des Atomkraftwerks gerät die Kettenreaktion außer Kontrolle. »

Foto: Alexander Tetsch

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Fukushima

Am 11. März 2011 ereignet sich vor der Ostküste Japans ein schweres Seebeben. Die Erdstöße verursachen gravierende Schäden im AKW Fukushima Daiichi, der nachfolgende Tsunami verschärft die Situation noch und es kommt zur Kernschmelze. »

Foto: Alexander Tetsch

Eine kaputte Puppe liegt auf dem Fussboden neben einer Atemschutzmaske

Aus dem Blog: Die unterschlagenen Toten

Hanebüchend niedrige angebliche Opferzahlen der Atomkatastrophen von Tschernobyl und Fukushima sollen die Harmlosigkeit der Atomkraft belegen. »

Foto: Alexander Tetsch

Ein Atomunfall und seine Folgen

Von den Anfängen der Atomkraft bis heute kam und kommt es in Atomkraftwerken und anderen Atomanlagen immer wieder zu schweren Unfällen mit zum Teil katastrophalen Auswirkungen. Die folgende Liste ist nur eine kleine Auswahl.

Windscale (1957)

Im Oktober 1957 bricht in einem Plutonium-Produktions-Reaktor im Atomkomplex Windscale an der Westküste Großbritanniens ein Feuer aus. Die radioaktive Wolke zieht bis aufs europäische Festland. Eine Wasserstoffexplosion, die bei den Löschaktionen möglich gewesen wäre, bleibt glücklicherweise aus; sie hätte die gesamten britischen Inseln verstrahlt. Die britische Regierung lässt kontaminierte Milch aus der näheren Umgebung ins Meer schütten; das wahre Ausmaß der Katastrophe aber vertuscht sie mehr als 30 Jahre. Auch um die Erinnerung an den Unfall zu verwischen, wird der Standort 1981 in "Sellafield" umbenannt.

Majak (1957)

Im September 1957 versagt im russischen Atomkomplex Majak die Kühlung eines Behälters mit hochradioaktiven flüssigen Rückständen aus der Wiederaufarbeitung; es kommt zu einer Explosion. Der radioaktive Fallout treibt 300 Kilometer weit und verseucht eine Fläche von 20.000 Quadratkilometern. Trotz der dünnen Besiedelung des Gebietes sind 270.000 Menschen erhöhten Strahlendosen ausgesetzt. Die Sowjetunion räumt den Unfall erst 1989 ein.

Three Mile Island/Harrisburg (1979)

Im US-amerikanischen Harrisburg führen am 28. März 1979 im neuen Block 2 des AKW Three Mile Island technische Fehler und menschliches Versagen zu einer Wasserstoffexplosion. Um den Druck zu senken, lassen die Reaktorfahrer radioaktive Gase, Dampf und Wasserstoff in die Umwelt ab. Radioaktiv verseuchtes Wasser fließt in den Susquehanna-Fluss. Erst 36 Stunden später werden kleinere Kinder und Schwangere aus der 5-Meilen-Zone evakuiert. Weitere 200.000 Menschen ergreifen die Flucht. Die gesundheitlichen Folgen der Teil-Kernschmelze werden kaum untersucht.

Tschernobyl (1986)

Zum ersten Super-GAU in einem AKW kommt es am 26. April 1986 im ukrainischen Tschernobyl. In Block 4 des Atomkraftwerks gerät die Kettenreaktion außer Kontrolle; er explodiert und brennt danach zehn Tage lang. Eine mächtige radioaktive Wolke verseucht die Region und zieht über ganz Europa. Mehr als 300.000 Menschen müssen ihre Heimat verlassen; das benachbarte Prypjat, das damals 50.000 Einwohner zählt, ist heute eine Geisterstadt. Das Sowjetregime schickte 800.000 „Liquidatoren“ zu Lösch- und Aufräumarbeiten, die allermeisten sind heute Invaliden. Unabhängige Schätzungen gehen davon aus, dass mehr als 125.000 von ihnen nicht mehr am Leben sind. Die Neugeborenen-Sterblichkeit ist erhöht. Fehlbildungen nehmen mit jeder Generation zu. Selbst in Teilen Süddeutschlands, in 1.000 Kilometer Entfernung, sind Wild, Beeren und Pilze bis heute so hoch radioaktiv belastet, dass die Behörden vom Verzehr abraten.

Fukushima (2011)

2011 fällt nach einem Erdbeben in allen sechs Reaktoren des AKW Fukushima-Daiichi im Hochtechnologieland Japan die Kühlung aus. In den drei zum Zeitpunkt des Erdbebens aktiven Reaktorblöcken 1–3 kommt es zur Kernschmelze, in Block 4 droht das Abklingbecken trocken zu laufen und die darin liegenden Brennelemente zu schmelzen. Explosionen zerstören die Gebäude. Wochenlang setzen die havarierten Meiler große Mengen radioaktiver Partikel frei, der Wind bläst einen Großteil davon über den Pazifik; dass die Wolke nicht über Tokio zieht, ist pures Wetterglück. 150.000 Menschen in der Umgebung des AKW müssen Haus, Heimat und Arbeitsstelle verlassen. Ein Ende der Katastrophe ist nicht abzusehen.

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