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29.03.2017 | von Jan Becker

50 Jahre Atommüll-Katastrophe Asse-II

Anfang April 1967 begann die Atommüll-Einlagerung im Schacht Asse. Zwanzig Jahre später wurden Wassereinbrüche bekannt; nochmal zehn Jahre später wurde das Absaufen des Bergwerks zugegeben. Nun soll der strahlende Abfall wieder herausgeholt werden. Doch dieses Versprechen droht zu scheitern.

Asse-2

Am 4. April 1967 wurden die ersten 80 Fässer mit radioaktiven Abfällen in dem früheren Salzbergwerk im Kreis Wolfenbüttel versenkt. Sie stammten aus dem Kernforschungszentrum Karlsruhe. Mit der Änderung des Atomgesetz wurden weitere Einlagerungen 1978 unterbunden. Seitdem befinden sich insgesamt 125.787 Fässer und Gebinde mit schwach- und mittelradioaktiven Abfällen sowie Chemiemüll in einsturzgefährdeten Kammern. Teilweise wurden sie abgekippt, die Behälter sind zerstört, der Inhalt unter Tage verteilt.

Seit 1988 läuft Wasser in das Bergwerk, täglich rund 12.000 Liter. Die Kammern mit dem Atommüll sind instabil, einige Zwischendecken bereits eingebrochen. Befürchtet werden unkontrollierte Grundwassereinbrüche. Seit 2008 ist das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) Betreiber der Anlage. Nach einem Vergleich verschiedener Optionen zur Schließung der Grube wurde versprochen, den Atommüll zu bergen.

Die Stilllegung soll nach Rückholung der radioaktiven Abfälle erfolgen.
(Atomgesetz §57b)

 

Atomkraftgegner*innen aus der Region mahnen regelmäßig zur Eile, denn ein vorliegender Notfallplan bei unkontrolliertem Wassereinbruch sieht dann keine Räumung mehr vor, sondern das Zubetonieren des Bergwerks (Flutung).

„Wir sorgen uns um die weitere Entwicklung im Atommüll-Lager Asse II bei Wolfenbüttel“, heißt es vom Asse II-Koordinationskreis, ein Zusammenschluss aus Bürgerinitiativen, Organisationen und Einzelpersonen, die sich gegen die Flutung der Asse engagieren.

Die zuständigen Behörden würden nicht nach dem Stand von Wissenschaft und Technik arbeiten. Es sei geplant, in Kürze einen Stollen auf der 750-Meter-Sohle mit Sorelbeton zu verfüllen. Dieser Stollen führt vor den verschlossenen Atommüll-Einlagerungskammern entlang. Eine Bergung des Atommülls würde erschwert und die radiologischen Risiken in der Asse erhöht, so die Kritiker*innen.

Kundgebung zum 50. Jahrestag

Am Dienstag, den 4. April, rufen die Aktivist*innen vom Asse II-Koordinationskreises daher zu einer Kundgebung am Asse-Schacht in Remlingen auf (11 – 13 Uhr):

50 Jahre Atommüll in der Asse –
50 Jahre Protest gegen die Einlagerungen –
50 Jahre Verharmlosung von Gefahren und Belastungen

„Wir fordern, Asse II nicht per Flutung stillzulegen. Der Atommüll muss rückholbar bleiben. Alle notwendigen Maßnahmen für eine mögliche Rückholung sind umgehend im Detail zu planen und genehmigungsrechtlich abzusichern.“ (Remlinger Erklärung vom 4.4.2007)

Die Aktivist*innen mahnen in ihrem Aufruf: "Die Rückholung des Atommülls zügig umsetzen: Atommüll trocken halten, Rückholungsplanung durchführen, Schacht 5 bauen usw. Wir verlangen auch, dass die Freisetzung von Radionukliden aus der Asse und ihr Eintrag in die Umgebung zuverlässig überwacht wird:" Geplant ist, ein etwa fünf Meter hohes, warnendes „Asse-A“ aufzurichten.

weiterlesen:

  • Tickende Zeitbombe - "Versuchsendlager" Asse II
    Vor allem der Druck  aus  der  Bevölkerung  führten  zur  Anerkennung  der  Forderung  der Bürgerinitiativen, dass der Atommüll nicht in Asse II verbleiben kann.

  • Asse-2: KritikerInnen fordern Moratorium für Betonierungsarbeiten
    07.09.2016 - Handelt es sich um eine „systematisch betriebene Täuschungsstrategie“? Die Verfüllung von Hohlräumen in dem havarierten Atommülllager Asse-2 könnte die versprochene Rückholung der strahlenden Abfälle erschweren oder sogar unmöglich machen, befürchtet die „ASSE II-Begleitgruppe“ und fordert neben einem Masterplan ein Moratorium für die angekündigten Arbeiten unter Tage.

Quellen (Auszug): asse-watch.de, tagesspiegel.de; 27.3.2017

Jan Becker

Jan Becker hat jahrelang die Webseite www.contrAtom.de betrieben und täglich aktuelle Beiträge zur Atompolitik verfasst. Seit November 2014 schreibt der studierte Umweltwissenschaftler für .ausgestrahlt. Jan lebt mit seiner Familie im Wendland. Mit dem Protest gegen regelmäßig durch seine Heimatstadt Buchholz i.d.N. rollende Atommülltransporte begann sein Engagement gegen Atomenergie, es folgten die Teilnahme und Organisation zahlreicher Aktionen und Demonstrationen.

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