Polizei-Kontrolle bei Fukushima
Foto: Alexander Tetsch

Die Atomkatastrophe von Fukushima im Jahr 2011

Um 14.46 Uhr ereignet sich vor der Ostküste Japans, 130 Kilometer östlich von Sendai, ein schweres Seebeben (Stärke 9,0 auf der Richterskala). Die Erdstöße verursachen gravierende Schäden im AKW Fukushima Daiichi, die nachfolgende Flutwelle (Tsunami) verschärft die Situation noch. Stromversorgung und Kühlung aller sechs Reaktoren sowie der sieben Abklingbecken mit hochradioaktiven Brennelementen fallen aus. Die Blöcke 4 bis 6 sind wegen Wartungsarbeiten zufällig außer Betrieb, in den Blöcken 1 bis 3 jedoch scheitern trotz Schnellabschaltung alle Versuche, die Reaktoren ausreichend zu kühlen. In allen drei Reaktoren kommt es deshalb zur Kernschmelze und somit zum Super-GAU – in Block 1 bereits am 12. März, in den Blöcken 2 und 3 wenige Tage später. Explosionen in den Blöcken 1 bis 4 zerstören unter anderem die Gebäudehüllen.

Wochenlang ziehen immer neue radioaktive Wolken von Fukushima aus über Japan und/oder den Pazifik. Unter anderem lässt AKW-Betreiber TEPCO mehrfach radioaktiven Dampf ab, um Explosionen im Innern der Reaktoren zu verhindern, die eine noch größere Freisetzung radioaktiver Stoffe zur Folge hätten haben können.

Neben den sechs Reaktoren in Fukushima-Daiichi kommt es aufgrund des Erdbebens auch in den vier Reaktoren des AKW Fukushima-Daini, den drei Reaktoren des AKW Onagowa, im AKW Tōkai-2 sowie in der Wiederaufarbeitungsanlage Rokkasho zu kritischen Situationen wie dem Ausfall von Stromversorgung und/oder Kühlung. Sie können jedoch noch rechtzeitig wieder unter Kontrolle gebracht werden.

  • Führte das Erdbeben oder der Tsunami zu den Kernschmelzen?

    Schon das Erdbeben verursachte so große Schäden an den Reaktoren, dass eine Kernschmelze nicht mehr zu verhindern war. Sicherheitssysteme, die trotz Tsunami noch hätten helfen können, fielen aus ungeklärten Gründen aus, Notfallmaßnahmen kamen zu spät. Der Tsunami selbst verschlimmerte die Situation bloß noch.1

    1IPPNW, Fukushima: Tsunami-Legende, März 2012

  • Zeitweise galt das Abklingbecken in Block 4 als größtes Problem. Warum?

    In dem Becken lagerten 1.535 hochradioaktive, abgebrannte Brennelemente, darunter etliche aus besonders plutoniumhaltigem MOX-Brennstoff. Wie in Siedewasserreaktoren üblich, liegt das Becken außerhalb des Sicherheitsbehälters. Am 15. März zerstörte eine Explosion die Gebäudehülle. Experten fürchteten, dass Becken und Brennstäbe beschädigt seien, dass Wasser ablaufen und dass die Brennstäbe sich erhitzen könnten; selbst AKW-Betreiber TEPCO hielt eine nukleare Kettenreaktion im Abklingbecken für möglich. In allen Fällen wären enorme Mengen radioaktiver Stoffe in die Umwelt gelangt. Das Becken konnte schließlich behelfsmäßig mit Wasser bespeist und stabilisiert werden. Ende 2014 wurden die letzten Brennstäbe entfernt.

  • Wie viel Radioaktivität gelangte in Folge des Unfalls in die Umwelt?

    Schätzungen gehen von 12 bis 53 Petabecquerel (PBq, =Billiarden Becquerel) Cäsium 137 und 150-160 PBq Jod 131 aus, die in Fukushima in die Luft freigesetzt wurden.1 Weil in den ersten Wochen der Atomkatastrophe von Fukushima der Wind meistens nach Osten blies, landeten vier Fünftel (79 %) dieser Emissionen über dem Pazifik, nur ein knappes Fünftel (19 %) über Japan, die restlichen 2 % verteilen sich auf andere Länder.2

    Die direkte radioaktive Kontamination des Pazifiks schätzen die Vereinten Nationen auf 9 PBq Cäsium 137 und 68 PBq Jod 131 allein im Zeitraum 12.03.–30.04.2011; bezüglich der Emissionen davor und danach gibt es keine offiziellen Angaben und keine Studien. TEPCO gab im August 2014 allerdings zu, dass bis zu diesem Zeitpunkt pro Tag 225 Gigabecquerel (Gbq, =Milliarden Becquerel) Cäsium 137 sowie etwa 140 GBq Strontium 90 ins Meer geflossen waren.3 Die Atomkatastrophe von Fukushima stellt bereits jetzt die größte je gemessene singuläre radioaktive Verseuchung der Weltmeere dar.4,5,6

    1Sadiq, An overview of current knowledge concerning the health and environmental consequences of the Fukushima Daiichi Nuclear Power Plant (FDNPP) accident, 2015

    2Stohl, Xenon-133 and caesium-137 releases into the atmosphere from the Fukushima Dai-ichi nuclear power plant, 2012

    3TEPCO, The resulting (and projected) effects brought by purificatioon and drainage of pumped underground water, 25. August 2014

    4IRSN, Synthèse actualisée des connaissances relatives à l’impact sur le milieu marin des rejets radioactifs du site nucléaire accidenté de Fukushima Dai-ichi, 26. Oktober 2011

    5Woods Hole Oceanographic Institution (WHOI), Researchers Assess Radioactivity Released to the Ocean from the Fukushima Daiichi Nuclear Power Facility, 6. Dezember 2011

    6IAEA, Worldwide marine radioactivity studies, Radionuclide levels in oceans and seas, 2005

  • Wie reagierten TEPCO und die Regierung auf die Katastrophe?

    Das Krisenmanagement und die Information der Öffentlichkeit war katastrophal und verschlimmerte die Auswirkungen des Unfalls in vielen Fällen, anstatt sie zu begrenzen. So ordnete die Regierung zwar Evakuierungen im nahen Umkreis des Unfall-AKWs an, hielt die eigenen Berechnungen, wo der radioaktive Fallout niedergehen würde, aber zurück. Evakuierte flohen daher zum Teil in Gebiete, die kurz darauf weit stärker radioaktiv kontaminiert wurden als die Gegend, aus der sie geflohen waren. Viele ebenfalls hoch belastete Gebiete wurden gar nicht oder zu spät evakuiert. Jodtabletten, die, rechtzeitig eingenommen, die Belastung der Schilddrüse mit radioaktivem Jod hätten vermindern können, wurden nur an rund 2.000 EvakuierungshelferInnen ausgegeben, nicht aber an die normale Bevölkerung. Tausende von Kindern haben deshalb nun ein massiv erhöhtes Risiko, an Schilddrüsenkrebs zu erkranken. Und anstatt alles zu tun, um die radioaktive Belastung der Bevölkerung dauerhaft so gering wie möglich zu halten, erhöhte die Regierung am 19. April 2011, fünf Wochen nach Beginn der Katastrophe, die Dosisgrenzwerte um das 20-Fache: Statt zuvor 1 Millisievert pro Jahr sollte für Kinder wie Erwachsene eine jährliche Belastung von bis zu 20 Millisievert zulässig sein. De facto zwingt dies Hunderttausende, in eigentlich kontaminierten Gebieten zu leben.1 Das Erziehungsministerium entschied, Schulen in der Provinz Fukushima auch ohne Klimaanlage wieder zu öffnen; radioaktiver Staub, der immer wieder auftritt, gelangt so durch die geöffneten Fenster bis in die Klassenzimmer.2 Und in den Schulkantinen kommt auf Anordnung der Behörden sogar Reis aus Fukushima auf den Tisch.3

    TEPCO wiederum wollte am vierten Tag der Katastrophe sogar alle Versuche, die Reaktoren doch wieder zu kühlen, einstellen und die gesamte Atomanlage einfach sich selbst überlassen. Nur eine massive persönliche Intervention des Premierministers verhinderte dies.4

    „Die Regierung und die Aufsichtsbehörde haben nicht dafür gesorgt, die Gesundheit der Anwohner zu schützen und ihr Wohl wiederherzustellen“, hielt die Untersuchungskommission des japanischen Parlaments zu dem Atomunfall fest.5

    1MEXT, Notification of interim policy regarding decisions on whether to utilize school buildings and outdoor areas within Fukushima Prefecture, 19. April 2011

    2New York Times, 25. Mai 2011

    3Human Rights Now, Investigative Report on Fukushima City and Koriyama City Fact-finding mission conducted on November 26 and 27, 2011 (S. 19), Dezember 2011

    4Spiegel Online, 9. Oktober 2015

    5NAIIC, The official report of The Fukushima Nuclear Accident Independent Investigation Commission (NAIIC) of the National Diet of Japan Executive Report, 5. Juli 2012 (S. 18 19)

  • Was wäre passiert, wenn der Wind gedreht hätte?

    Dann wäre weit mehr radioaktiver Niederschlag über dem Festland heruntergekommen und weit größere Gebiete wären kontaminiert worden. Tatsächlich wehte der Wind während der ersten Wochen der Katastrophe die meiste Zeit aufs Meer hinaus. Nur rund 19 Prozent der in die Luft abgegebenen Radioaktivität landeten deshalb in Japan. Bei Ostwind hingegen wäre das Land vermutlich durch einen radioaktiv verseuchten Streifen in der Mitte zweigeteilt worden. Und dass der Großraum Tokio mit seinen rund 50 Millionen EinwohnerInnen nicht evakuiert werden musste, war pures Glück: Als die schlimmste Wolke über ihn zog, regnete es dort nicht. Andernfalls, so urteilte der damalige japanische Premierminister Naoto Kan im Nachhinein, „hätte das den Kollaps unseres Landes bedeutet“.1

    1Spiegel Online, 9. Oktober 2015

  • Welche Folgen hat die Atomkatastrophe für die Bevölkerung in der Region?

    Rund 200.000 Menschen mussten nach Angaben der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEO) wegen der Atomkatastrophe ihre Heimat verlassen, oftmals binnen weniger Stunden und nur mit den allernötigsten Sachen.1 Sie verloren Haus, Heimat, Hab und Gut, Arbeitsplatz und sozialen Kontext, bisweilen sogar ihre Existenzgrundlage. Viele leben noch fünf Jahre später in Notunterkünften und provisorischen Containersiedlungen; die psychische Belastung ist groß. Wann und ob sie überhaupt je zurückkehren können, ist oftmals unklar: Selbst nach offiziellen Angaben werden manche Gebiete auf Dauer unbewohnbar bleiben.

    Erklärt die Regierung ein Gebiet hingegen für gesäubert und hebt die Evakuierungsanordnung auf, verlieren die Evakuierten ihr Anrecht auf finanzielle Unterstützung. Schon aus ökonomischen Gründen sind daher viele gezwungen, zurückzukehren, auch wenn die angebliche „Dekontamination“ ihrer Heimat nur sehr unzureichend ist und die Strahlenwerte dort nach wie vor hoch sind.

    Dies gilt erst Recht für all die Regionen, die zwar Fallout abbekommen haben, aber offiziell nicht als nennenswert kontaminiert zählen. Wer hier wohnt, hat nur die Wahl, trotz Strahlung zu bleiben oder auf eigene Faust und (finanzielles) Risiko wegzuziehen. Unzählige Familien hat der Atomunfall deshalb bereits entzweigerissen: Damit zumindest die Kinder in möglichst unverstrahlter Umgebung aufwachsen können, lebt ein Elternteil mit ihnen woanders; der andere bleibt zurück, um seinen Job nicht zu verlieren.

    Welche Gesundheitsschäden aufgrund der radioaktiven Belastung noch auftreten werden, lässt sich bisher allenfalls statistisch prognostizieren – die Ärzte der IPPNW gehen von mehreren Zehntausend zusätzlichen Krebserkrankungen sowie von Herz-Kreislauf-Erkrankungen in vermutlich gleicher Höhe im Laufe der kommenden Jahrzehnte in Japan aus.2 Was den Betroffenen aus den kontaminierten Gebieten bleibt, ist die ständige Unsicherheit und Angst: vor Hotspots, radioaktivem Staub, verstrahlten Nahrungsmitteln und einer ungewissen Zukunft.

    1IAEA, Fukushima Nuclear Accident Update, 12. März 2011

    2IPPNW, Critical Analysis of the UNSCEAR Report „Levels and effects of radiation exposure due to the nuclear accident after the 2011 Great East-Japan Earthquake an tsunami“, 5. Juni 2014

  • Wie läuft die sogenannte Dekontamination der radioaktiv verseuchten Gebiete ab?

    Sogenannte Dekontaminierungstrupps spritzen die Dächer, Fassaden und Straßen ab, kratzen kontaminierten Staub aus Winkeln und Fugen, stutzen alle Pflanzen drastisch ein, um die kontaminierte Biomasse zu entfernen, tragen in Grünanlagen, Gärten, auf Wiesen und Äckern die obere Erdschicht ab. Bisweilen sichern sie den nackten Boden notdürftig mit Netzen gegen Erosion. Broschüren raten Hausbesitzern, hartnäckigen Fallout im Zweifel mit Backpulver und Essig anzugehen. Der Erfolg der immens aufwändigen Maßnahmen ist indes mäßig: Schon der nächste Regen, Sturm, Waldbrand, Flut, Pollenflug oder schlicht die Dekontaminationsarbeiten nebenan können erneut radioaktive Stoffe herbeitragen – und alles ist aufs Neue verseucht.

    Um den Erfolg der Arbeiten zu dokumentieren und die Bevölkerung zu beunruhigen, stellt die Regierung überall Strahlenmessstationen mit großen Leuchtanzeigen auf. Dass deren Anzeige mit der Realität wenig zu tun hat, ist inzwischen ein offenes Geheimnis: Die Messstellen stehen weit über dem Boden, der zudem zuvor großflächig abgetragen und mit einem massiven, strahlenabschirmenden Fundament aus Beton und Stahl abgedeckt wird. Bleiakkus schirmen die Messgeräte zusätzlich ab. Messungen unabhängiger Organisationen kommen an denselben Orten in der Regel auf deutlich höhere Strahlungswerte. Kein Wunder, dass kaum jemand den offiziellen Angaben noch traut.

  • Hat die Atomkatastrophe auch außerhalb der evakuierten Gebiete Folgen?

    Ja, denn die radioaktive Kontamination reicht weit über die evakuierten Gebiete hinaus. Mindestens 8 Prozent der Landesfläche beziehungsweise 30.000 Quadratkilometer sind nach Angaben des japanischen Wissenschaftsministeriums mit mehr als 10.000 Becquerel Cäsium 137 pro Quadratmeter verseucht; die Zone erstreckt sich vom AKW bis zu 300 Kilometer weit ins Land.1 Auch Menschen, die weit außerhalb der Evakuierungszone wohnen, werden über Jahrzehnte mit einer erhöhten Strahlenbelastung leben müssen. Die Kläranlage in Yokohama, 300 Kilometer von Fukushima entfernt, hinterlässt seit dem Super-GAU im Jahr 170.000 Tonnen Atommüll: die Asche aus der Klärschlammverbrennung strahlt.2 Und ein Kind, das beispielsweise in Iwaki-Stadt lebt, also außerhalb der Evakuierungszone, bekommt im Jahr nach dem Super-GAU eine 52-mal so hohe Schilddrüsendosis ab wie vor dem Super-GAU.3

    1Ministry of Education, Culture, Sports, Science and Technology Japan, Extension Site of Distribution Map of Radiation Dose etc., November 2011
    Proll, Japan aktuell: Radioaktives Cäsium erreicht weite Landesteile Japans, 21. November 2011

    2Sato, Vortrag auf der NURIS-Konferenz, April 2015

    3IPPNW, Critical Analysis of the UNSCEAR Report „Levels and effects of radiation exposure due to the nuclear accident after the 2011 Great East-Japan Earthquake an tsunami“, 5. Juni 2014
    UNSCEAR, 2013 Report, Levels and effects of exposure due to the nuclear accident after the 2011 great east-Japan earthquake and tsunami, 2014 (S. 186, § C92 und S. 255, § E43)

  • Sind Lebensmittel in Japan radioaktiv belastet?

    Ja. In ganz Japan sind nach dem Super-GAU von Fukushima radioaktiv kontaminierte Lebensmittel aufgetaucht: Reis und Fleisch, Fisch und Meeresfrüchte, Milch und Milchpulver, grüner Tee, Gemüse, Obst und Leitungswasser. 1 Nach offiziellen Angaben sind im fünften Jahr der Katastrophe nur noch nicht eigens angebaute Lebensmittel wie Wild, wild gesammelte Pilze und Ähnliches über den Grenzwerten belastet.2 Es ist aber fraglich, ob die staatlichen Stichprobenkontrollen auch wirklich alle verseuchten Nahrungsmittel finden. Vor allem Selbstversorger haben ein hohes Risiko, erhöhte Strahlenmengen zu sich zu nehmen. Viele Gemeinden in der Provinz Fukushima haben zudem begonnen oder gar angeordnet, verstärkt lokale Produkte zu nutzen. Und die Regierung startete eine landesweite Kampagne, die den Kauf von Lebensmitteln aus der Region Fukushima propagiert – als Akt der Solidarität …

    Die japanischen Grenzwerte sind zwar niedriger als die der EU. Insgesamt liegen sie aber immer noch um das 20- bis 30-Fache über den Empfehlungen von Foodwatch und IPPNW. Der dauerhafte und ausschließliche Konsum von Lebensmitteln, die nach japanischen Grenzwerten noch zugelassen wären, würde zu einer Strahlenbelastung weit über dem führen, was die Strahlenschutzverordnung für zumutbar hält, und jedes Jahr Zigtausende von Toten fordern.3

    1IPPNW, Critical Analysis of the UNSCEAR Report „Levels and effects of radiation exposure due to the nuclear accident after the 2011 Great East-Japan Earthquake an tsunami“, 5. Juni 2014

    2Ministry of Health Labour and Welfare Japan, Sum up of radionuclide test results reported in FY2015, 30. November 2015

    3Foodwatch/IPPNW, Grenzwerte für die Strahlenbelastung von Lebensmitteln, 20. September 2011

  • Welche gesundheitlichen Folgen der Reaktorkatastrophe sind bereits zu bemerken?

    Ein besorgniserregender Anstieg der Schilddrüsenkrebsrate bei Kindern. Insgesamt mussten bis Herbst 2015 bereits 115 Kinder wegen metastasierten oder stark wachsenden Krebsgeschwüren in ihren Schilddrüsen operiert werden, bei weiteren 37 besteht weiter akuter Krebsverdacht.1 Mehr als 67.000 strahlenexponierte Kinder aus der Präfektur Fukushima waren zudem gar nicht erst in die Untersuchungen eingeschlossen, mehr als 180.000 weitere Kinder warten immer noch auf ihre Zweituntersuchung. Es gibt also berechtigten Grund zur Sorge, dass die Zahl der Krebsfälle in den kommenden Monaten und Jahren noch deutlich steigen wird, zumal Schilddrüsenkrebs eine Latenzzeit von circa vier Jahren hat, andere Krebsarten von noch mehr.

    1IPPNW, Jeden Monat neue Schilddrüsenkrebsfälle, Dezember 2015

  • Was passierte mit den anderen AKW in Japan nach der Katastrophe in Fukushima?

    Vier der 54 Atomkraftwerke, die in Japan zuletzt liefen, hat der Super-GAU zerstört. Alle anderen 50 wurden binnen 14 Monaten Schritt für Schritt abgeschaltet und blieben es vier Jahre lang. Erst 2015 gingen, ungeachtet massiver Proteste aus der Bevölkerung, wieder zwei Reaktoren ans Netz: Die japanische Regierung hält nach wie vor an Atomkraft fest. Allerdings ist die japanische Anti-Atom-Bewegung seit Fukushima so stark wie noch nie zuvor.

  • Welche Konsequenzen hatte Fukushima für die Atompolitik in Deutschland und weltweit?

    Einige Länder legten Atomprojekte auf Eis oder erklärten, nun doch auf den Einstieg in die Atomkraft zu verzichten. In Deutschland kam es zu den bisher größten Anti-Atom-Protesten der Geschichte. Die schwarz-gelbe Bundesregierung nahm die erst wenige Monate zuvor beschlossene Laufzeitverlängerung wieder zurück und entzog den acht ältesten Meilern die Betriebsgenehmigung. In keinem anderen Land (außer Japan) sind nach Fukushima so viele Atomkraftwerke dauerhaft vom Netz gegangen – ein klarer Erfolg der Anti-Atom-Bewegung. Neun Atomkraftwerke jedoch sollen noch viele Jahre weiterlaufen dürfen, die meisten sogar bis 2022. Von einem echten „Atomausstieg“ kann also bisher noch keine Rede sein.

„Politisch nicht gewollt“

Dr. med. Alex Rosen, Kinderarzt und im Vorstand der atomkritischen Ärzteorganisation IPPNW, über unerwünschte Gesundheitsstudien zu Fukushima, erschreckend viele Schilddrüsenkrebsfälle bei Kindern und den langen Arm der japanischen Atomlobby 

Alex Rosen
Alex Rosen

Fünf Jahre ist der Super-GAU von Fukushima her. Ist das Schlimmste überstanden?

Nein. Wir fangen gerade erst an, die ersten Folgen zu sehen. Viele der durch radioaktive Strahlung hervorgerufenen Krankheiten haben eine Latenzzeit von Jahren oder Jahrzehnten. Zudem tragen sie kein Herkunftssiegel. Um die Folgen des Super-GAUs zu erfassen, muss man gezielte, gut angelegte epidemiologischen Studien machen, sonst findet man diese Fälle nicht und es geht im Grundrauschen aller Erkrankungen unter. 

Gibt es solche Studien in Japan? 

Immerhin eine – allerdings nur unter Kindern bis 18 Jahren, nur in Fukushima und nur speziell mit Blick auf Schilddrüsenkrebs. 

Wie unabhängig ist dieses Screening? 

Nun ja, wir haben nichts anderes. Durchgeführt wird die Studie von der Fukushima Medical University unter Leitung von Prof. Dr. Shunichi Yamashita. Dieser hat sehr enge Beziehungen zur Atomindustrie. Aufgefallen ist er durch seine „Beratung“ der Präfektur Fukushima 2011, trotz der radioaktiven Wolken aus dem AKW keine Jodtabletten zu verteilen. Selbst 100 Millisievert im Jahr seien völlig ungefährlich, behauptete er, und dass man, wenn man lächele, keine Folgen radioaktiver Strahlung zu erwarten habe. So ein Verharmloser also führt nun diese Studie durch. Es gibt zahlreiche Beschwerden von Elternverbänden und ÄrztInnen. Im Ergebnis wird die Studie das tatsächliche Risiko sicher unterschätzen. Gleichzeitig jedoch zeigt selbst sie bereits jetzt eine deutlich erhöhte Anzahl von aggressiven Schilddrüsenkrebsfällen, die wir in diesem Maß zu einem so frühen Zeitpunkt nicht erwartet hätten. 

Inwiefern? 

115 Kinder in der Präfektur mussten bereits operiert werden, weil ihr Krebs sehr aggressiv oder metastasiert war. 

Ist das nun viel oder wenig? 

Für die Studie wurden etwa 300.000 Kinder untersucht. Da würde man einen Schilddrüsenkrebsfall im Jahr erwarten, das ist der japanische Durchschnitt bei Kindern. Die Studie läuft seit vier Jahren, also hätte man vier Fälle erwartet, und zwar welche, die nicht unbedingt so aggressiv sind, dass man sofort operieren müsste. Stattdessen haben wir nun 115 gesicherte, aggressive Fälle sowie mehr als 100.000 Kinder, deren Zweituntersuchung noch aussteht, sodass die Fallzahl sicher noch steigen wird. Und das ist erst der Anfang, befürchten wir. 

Warum? 

Wegen der Latenzzeit von Schilddrüsenkrebs. Nach vier Jahren ist erst mit einem langsamen Anstieg zu rechnen. In Tschernobyl sind die Fallzahlen über Jahrzehnte angestiegen. 

Es gibt Studien, die versuchen, die insgesamt zu erwartenden Krebserkrankungen abzuschätzen. Darin ist die Rede von bis zu 22.000–66.000 Fällen. Wie passt das zusammen? 

Was man bisher sieht, sind ja nur die Schilddrüsenkrebsfälle bei Kindern, also eine sehr sehr seltene Form von Krebs, und auch davon nur die allerersten Fälle. Den Großteil der Krebserkrankungen werden aber die weitaus häufigeren Formen wie Brustkrebs, Darmkrebs, Leukämien und Lymphome ausmachen. Nur gibt es keine Studien, die das spezifisch untersuchen. Also werden wir auch in 20 Jahren keine belastbaren Zahlen hierzu haben. Das ist politisch auch nicht gewollt. 

Und die zu erwartenden 22.000–66.000 Krebsfälle? 

Diese Zahl beruht auf Abschätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur radioaktiven Belastung, der die Menschen in Japan durch den Super-GAU von Fukushima während ihres Lebens ausgesetzt sein werden – multipliziert mit einem Risikofaktor, der die bisherigen Erkenntnisse zu den Folgen radioaktiver Strahlung widerspiegelt. Wobei die Dosisannahmen der WHO wahrscheinlich niedriger sind als die real aufgenommenen Dosen. Wahrscheinlich wird die Zahl der Erkrankungen also noch deutlich höher liegen. 

Welche weiteren gesundheitlichen Folgen, jenseits von Krebs, sind aufgrund der Strahlenbelastung zu erwarten? 

Das Risko, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu erkranken, steigt bei radioaktiver Belastung – auch wenn diese nur im Millisievert-Bereich liegt, also in den Größenordnungen, welche die meisten Menschen in Fukushima abbekommen. Darüber hinaus sind genetische Folgen zu erwarten: Nach Tschernobyl hatten wir einen Anstieg des Down-Syndroms, von Fehlbildungen, Totgeburten, Frühaborten. Und es gibt auch Erkenntnisse, dass selbst Kinder von strahlenexponierten Eltern ein erhöhtes Krebsrisiko haben. Das sind alles Sachen, die wir in den nächsten Jahrzehnten erwarten. 

Hunderttausende sind in den Tagen und Wochen nach dem Super-GAU evakuiert worden, viele hausen noch immer in Notunterkünften. Wie ist es um deren – auch psychische – Gesundheit bestellt? 

Der Verlust der Heimat und vielfach auch der Existenz ist ein gewaltiges Trauma. Bäuerinnen und Bauern, Fischerinnen und Fischer etwa, die nicht mehr arbeiten können, weil alles verseucht ist. Gleichzeitig fühlen sie sich nicht ernstgenommen und im Stich gelassen. Vielen droht eine Streichung der Hilfszahlungen, wenn ihre Heimatstädte für „dekontaminiert“ erklärt werden. Die Regierung will, dass sie dann zurückkehren. Viele Familien, Freundschaften, Nachbarschaften zerbrechen daran, weil etwa die Frau mit den Kindern sagt „Ich will nicht in einer verstrahlten Umgebung leben“ und zu ihren Eltern, Freundinnen oder Freunden zieht, während der Mann seinem Beruf nachgehen muss und zurückbleibt. 

Wie effektiv ist die Dekontamination der Städte und Siedlungen? 

Die hehren Versprechungen sind längst hinfällig: Man sieht, dass das nicht funktioniert. Der radioaktive Staub muss aus jeder Ritze gefegt und gekratzt werden – schon das ist mühsamste Handarbeit. 70 Prozent der Fläche der Präfektur Fukushima jedoch sind bergiger Wald, den kann man gar nicht dekontaminieren. Das bedeutet aber, dass mit jedem Sturm, Regenschauer und Pollenflug erneut Radioaktivität in die Wohngebiete kommt, auf die Spielplätze, in die Flüsse und auf die Felder. Erst neulich hat eine Studie nachgewiesen, dass es selbst außerhalb der Evakuierungszone immer wieder neue relevante Kontaminationen durch Cäsium‑137 gibt, vermutlich durch unachtsame Arbeiten auf dem Kraftwerksgelände. 

Dass Jodtabletten 2011, obwohl vorhanden, nicht verteilt wurden, spricht nicht gerade dafür, dass der Strahlenschutz der Bevölkerung an erster Stelle stand. Wie ist das heute? 

Man muss die enorme Macht der Atomlobby in Japan sehen. Die Macht, den Premierminister zu stürzen, weil er nach der Katastrophe gesagt hat: „Wir müssen aus der Atomenergie aussteigen“ – und die Macht, die politische Diskussion soweit zu prägen, dass trotz einer Mehrheit in der Bevölkerung für einen Ausstieg jetzt eine sehr starke Pro-Atom-Regierung wieder bestätigt wurde und erste Reaktoren wieder angefahren werden. 

Welches Ziel verfolgt diese Regierung mit Blick auf Fukushima? 

Sie will die Akte so schnell wie möglich schließen. Wir haben Berichte von Baseball-Vereinen und Orchestern, die von ihren japanischen Partnern ganz bewusst in die Präfektur Fukushima eingeladen werden. Selbst Teile der olympischen Spiele sollen in Fukushima stattfinden! Das ist ein ganz bewusster Versuch der Regierung, Gras über die Sache wachsen zu lassen und zurück zur Normalität zu kommen. Nicht der Strahlenschutz der Bevölkerung steht da an erster Stelle, sondern die wirtschaftlichen Interessen der Atomlobby. 

Das Interview führte Armin Simon

Dr. med. Alex Rosen ist Kinderarzt in Berlin und sitzt im Vorstand der atomkritischen Ärzteorganisation IPPNW, wo er u.a. für das Thema Atomausstieg und Energiewende verantwortlich ist. Mit den gesundheitlichen Folgen der nuklearen Kette befasst er sich seit seinem Studium. Nach dem Super-GAU in Fukushima hat er zahlreiche Vorträge in Japan gehalten, arbeitet eng mit Wissenschaftlern aus aller Welt und der japanischen Anti-AKW- Bewegung zusammen, gibt einen monatlichen Fukushima-Newsletter heraus (www.fukushima-disaster.de ) und hat kritische Analysen der Fukushima-Berichte von WHO/IAEO und UNSCEAR verfasst. 

 

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Dieser Text ist ursprünglich im .ausgestrahlt-Magazin Nr. 30 (Januar 2016) erschienen.

Unsere Empfehlung zu frei verfügbaren Dokumentationen über den Super-GAU von Fukushima

Fukushima und die Wahrheit hinter dem Super-GAU

Dokumentation Deutschland, 2013, 53 Minuten

Der Film von Peter F. Müller, Michael Mueller und Philipp Abresch geht der Frage nach, was in den Reaktorblöcken 1 bis 4 des Atomkraftwerks in Fukushima tatsächlich passiert ist und inwieweit die Verantwortlichen in Japan den Umfang der Katastrophe vor der eigenen Bevölkerung und der Weltöffentlichkeit verborgen haben - und bis heute verbergen. Die Dokumentation macht dabei deutlich, wie die japanische und internationale Atomlobby zusammenarbeiten und wie selbst internationale Aufsichtsbehörden sich durch diese Interessenvertreter instrumentalisieren lassen.


Die Fukushima-Lüge

ZDF-Dokumentation, Deutschland 2014, 29 Min.

Als die japanische Regierung am 11. März 2011 den atomaren Notstand ausrief, hielt die Welt den Atem an. Das große Erdbeben und der folgende Tsunami hatten in Japans Norden ganze Städte ausgelöscht. Japan am Boden, und jetzt auch noch der befürchtete Super-GAU - mit unabsehbaren Folgen für Japan und die Welt. Wie konnte es zu dieser Katastrophe kommen? Wie sind Japans Atombosse und die Regierung damit umgegangen? Und wo steht das Land drei Jahre nach der Katastrophe?


Fukushima - Chronik eines Desasters

arte-Dokumentation, Japan 2012, 47 Minuten

Der Film wirft ein erschreckendes Schlaglicht auf bisher selbst von Experten nicht erkannte Schwachstellen von Atomkraftwerken. Er zeigt, wie es überhaupt zu einem Totalausfall der Stromversorgung und infolgedessen zu einer mangelhaften Kühlung der Reaktorkerne und Brennstäbe kommen konnte - mit der bekannten fatalen Kettenreaktion von der Kernschmelze bis zum Freisetzen erheblicher Mengen an Radioaktivität.

Interviews mit den zum Zeitpunkt der Havarie diensthabenden Mitarbeitern ermöglichen es, die Ereignisse im Kontrollraum des Kernkraftwerks genau zu rekonstruieren. Anhand von 3D-Computergrafiken, nachgestellten Szenen und Exklusivinterviews wird deutlich, dass die tatsächlichen Verhältnisse im Reaktorblock 1 viel gefährlicher waren, als es die Arbeiter in der Kontrollzentrale ahnen konnten.


Bücher zu Fukushima - Unsere Empfehlungen

Fukushima 360Grad.JPG

Alexander Tetsch: „Fukushima 360 Grad - das atomgespaltene Leben"
Im Mai 2013 reiste der Fotograf Alexander Tetsch (geb. Neureuter) 4.000 Kilometer quer durch Japan. Anhand von 44 Einzelschicksalen zeigt er, wie sich das Leben für die Menschen vor Ort unwiderruflich verändert hat. Sein Bildband, erschienen in Kooperation mit der Ärztevereinigung IPPNW (Ärzte gegen Atomkrieg), zeigt die tief in den Alltag eingedrungene Präsenz der Nuklearkatastrophe.
204 Seiten, 158 meist großformatige Farbfotografien. Neureuters 2011, ISBN 978-3-00-044733-4
Fukushima 360Grad - Bildband

 

Zuhause in Fukushima

Katsuhiro Ichikawa 2014: Zuhause in Fukushima. Das Leben danach: Portraits mit Fotos
Kei Kondo hat seinen Bio-Bauernhof verloren. Sadako Monma musste ihren Kindergarten schließen. Der Arzt und Diplomat Ryohei Suzuki kehrte nach der Katastrophe nach Fukushima zurück, um im dortigen Krankenhaus zu arbeiten. Judith Brandner erzählt in diesem Buch in 13 sensiblen Porträts, wie sich die Katastrophe von Fukushima auf die dort lebenden Menschen auswirkt. Der japanische Fotograf Katsuhiro Ichikawa hat Judith Brandner bei ihren Recherchen begleitet und die Menschen fotografiert, mit denen sie gesprochen hat. Die Fotos zeigen auf berührende Weise, wie die Menschen heute dort leben und fühlen.
160 Seiten, Kremayr & Scheriau 2014, ISBN-10: 3218009065
Zuhause in Fukushima


Lesebuch Fukushima

Lisette Gebhardt, Steffi Richter (Hrsg.): Lesebuch Fukushima
Kurz nach der Dreifachkatastrophe in Fukushima wurde die Textinitiative Fukushima gegründet, die japanische Texte ins Deutsche übersetzt und so auch diejenigen an der innerjapanischen Debatte um Fukushima teilhaben lässt, die kein Japanisch verstehen. Die Ergebnisse wurden nun in einem Lesebuch veröffentlicht. Das Lesebuch ist interdisziplinär ausgerichtet und enthält vier Themenkomplexe: Atompolitik in Japan, Kunst nach Fukushima, Medienmanipulation durch die Atomlobby und Anti-AKW Proteste nach Fukushima.
Eb-Verlag 2013, 442 Seiten, ISBN:978-3868931037
erhältlich im .ausgestrahlt-Shop:
Lesebuch Fukushima


Fukushima lässt grüßen

Susan Boos: Fukushima lässt grüßen
Man muss sich vorstellen können, was ein Super-GAU in unmittelbarer Nähe mit der eigenen Welt anrichten würde. Nach der Fukushima-Katastrophe reiste Autorin Susan Boos nach Japan, um das Geschehen in den verstrahlten Gebieten zu dokumentieren. Boos analysiert die Ereignisse und fragt: Was wäre, wenn ein solches Unglück in der Schweiz oder in Deutschland geschähe? Wie würde evakuiert? Wohin? Wer räumt auf? Wer trägt die Kosten?
271 Seiten, kartoniert, Rotpunktverlag 2012, ISBN-10: 3858694746
erhältlich im .ausgestrahlt-Shop:

Fukushima lässt grüßen

 

Vom Erdbeben zur atomaren Katastrophe

Coulmas, Florian / Stalpers, Judith: Fukushima. Vom Erdbeben zur atomaren Katastrophe
Florian Coulmas und Judith Stalpers schildern in diesem Buch den verheerenden Verlauf des großen Bebens, analysieren, wie es zur Havarie der Reaktoren kommen konnte und beschreiben, wie die japanische Gesellschaft mit der Katastrophe umgegangen ist. Dabei lassen sie persönliche Erfahrungen und Erlebnisse einfließen und hinterfragen die Klischees der westlichen Berichterstattung. So entsteht eine subtile Einführung in das heutige Japan und seine besonderen Mentalitäten, Prägungen und Strukturen. Am Ende steht die Frage nach der Zukunft und den Folgen, die die Katastrophe für das Land haben wird.
192 Seiten, 30 Abbildungen und 8 Tabellen. Paperback, C.H.BECK 2011, ISBN 978-3-406-62563-3
Fukushima - Vom Erdbeben zur atomaren Katastrophe


Ein Tag in Fukushima

Rebecca Harms: Ein Tag in Fukushima, eine Woche in Japan. Reisenotizen.
Mit zwei japanischen Anti-Atom-Aktivisten, ihrer Mitarbeiterin Silke Malorny und dem ehemaligen Chef der bulgarischen Atomaufsicht Gueorgui Kastchiev ging Rebecca Harms auf Vortrags- und Recherchereise nach Tokio, Osaka, Matsuyama City, Yokohama und Fukushima. Auf Veranstaltungen und in kleinen Runden trafen sie Atomkraftgegnerinnen, Wissenschaftler, Journalistinnen, Politiker und Bürgerinnen. Ein Tag in der Region Fukushima war der traurige Schlüsseltag der Reise.
88 Seiten broschiert, Verlag brotsuppe 2012, ISBN-10: 3905689405
Ein Tag in Fukushima

 

 

Das japanische Desaster

Johannes Hano: Das japanische Desaster
Johannes Hano befand sich zufällig in Japan, als Erdbeben, Tsunami und die Reaktorkatastrophe von Fukushima das Land trafen und hat praktisch rund um die Uhr für das ZDF berichtet. Er schildert die dramatischen ersten Tage, beleuchtet die Hintergründe der Katastrophe und beschreibt die zu erwartenden Folgen. Ein erschütternder Bericht über eines der prägendsten Ereignisse des 21. Jahrhunderts.
Johannes Hano, 178 Seiten, Verlag Herder 2011
erhältlich im .ausgestrahlt-Shop:

Das japanische Desaster
 


Fotos aus Fukushima

alle Fotos von Alexander Tetsch aus dem  Bildband: Fukushima 360°



Ukedo: Polizei-Checkpoint ca. 8 km von der Reaktorruine entfernt.
Foto: Alexander Tetsch

Die Katastrophe von Fukushima

Beinahe auf den Tag genau ein Vierteljahrhundert nach Tschernobyl ereignet sich im japanischen Atomkraftwerk Fukushima ein Super-GAU. In vier Reaktorblöcken kommt es mindestens zur teilweisen Kernschmelze, durch Lecks im Sicherheitsbehälter treten große Mengen radioaktiven Materials aus. Wie damals in der Ukraine, wurde die Öffentlichkeit über das wahre Ausmaß der Katastrophe bewusst getäuscht und bis heute versucht die japanische Regierung, die Langzeitfolgen aus Fukushima kleinzureden.

Die Folgen für Deutschland

In der Bundesrepublik beschließt die Koalition aus Union und FDP nach Fukushima zunächst ein Moratorium für sieben alte Atomkraftwerke und das AKW Krümmel. Im Juni 2011 verabschiedete der Bundestag eine erneute Novellierung des Atomgesetzes, welche das Aus für acht Atomkraftwerke und einen stufenweisen Atomausstieg bis Ende 2022 vorsieht. 

Das ist ein großer Erfolg der Anti-AKW-Bewegung. Der Weiterbetrieb von acht Atomkraftwerken [Stand: Januar 2016], die meisten davon noch über mehr als zwei Bundestagswahlen hinweg, verdient aus unserer Sicht aber nicht das Etikett „Ausstieg”. Der Beschluss ist nicht unumkehrbar und auch innerhalb des jetzt vereinbarten Zeitraums kann es jeden Tag zum Super-GAU kommen.