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Die Atomkatastrophe von Tschernobyl im Jahr 1986
In Block 4 des ukrainischen AKW Tschernobyl, nahe der Landesgrenze zu Weißrussland, startet die Bedienmannschaft um 26. April 1986 um 1:23:04 Uhr in der Nacht einen Test. Dabei gerät der Meiler außer Kontrolle: Die Leistung erhöht sich immer weiter, die Notabschaltung versagt, die Kettenreaktion nimmt rasend schnell zu, wegen der enormen Hitze bildet sich Knallgas. Um 1:23:48, nach ganzen 44 Sekunden, explodiert der Reaktor, sein hochradioaktiver Kern beginnt zu brennen und zu schmelzen, die Katastrophe nimmt ihren Lauf. Der Super-GAU von Tschernobyl ist der bis dahin größte Atomunfall der Geschichte.
Die radioaktive Wolke zog über ganz Europa. Die Strahlung ruinierte das Leben und die Gesundheit von Millionen. Neben den 600.000 bis 800.000 Liquidator*innen, die mit Schaufeln und bloßen Händen den radioaktiven Schutt beiseite räumten, traf es die Bewohner*innen der besonders stark verstrahlten Gebiete in Weißrussland, Russland und der Ukraine am schlimmsten. Doch auch im übrigen Europa waren und sind die Schäden gravierend: Nach Angaben der IPPNW sind in Europa bis 2056 etwa 240.000 zusätzliche Krebsfälle wegen Tschernobyl zu erwarten. Daneben waren vor allem die Kinder besonders betroffen: In den Monaten nach dem Super-GAU war in ganz Europa nicht nur die Zahl der Fehlbildungen, sondern auch die der Totgeburten und die Säuglingssterblichkeit deutlich erhöht. Zehn Jahre nach der Reaktorkatastrophe waren 70 Prozent der Kinder in den Gebieten rund im Tschernobyl nicht mehr gesund. Auch die psychologischen, sozialen und ökologischen Folgen wirken bis heute nach.
Mehr zum Super-GAU in Tschernobyl auch in unser interaktive Ausstellung
Der 1986 provisorisch gebaute „Sarkophag“ über den Block 4 ist heute brüchig, undicht und einsturzgefährdet. Seit 2019 über deckt eine zweite, mehr als 2 Milliarden Dollar teure Schutzhülle das sogenannte „New Safe Confinement“, den Reaktor, der noch immer 96 Prozent seines radioaktiven Inventars enthält. Die gigantische Halle soll 100 Jahre halten; ob der Reaktor samt dem geschmolzenen Reaktorkern bis dahin demontiert werden kann, ist offen.
Auf dem Gelände des AKW Tschernobyl befinden sich heute auch zwei Zwischenlager: Ein Nasslager sowjetischer Bauart ging 1986 in Betrieb und enthält die Brennelemente aus den Blöcken 1 bis 3 des AKW Tschernobyl. Ein Trockenlager („Castor-Garagen“) ging 2021 in Betrieb. Hier sollen die Brennelemente aus dem Nasslager und abgebrannte Brennelemente aus drei der vier anderen ukrainischen Atomkraftwerken 100 Jahre lang gelagert werden.
Krieg in der Ukraine
Im Februar 2022, zu Beginn des russischen Überfalls auf die Ukraine, besetzten russische Truppen das Gebiet rund um Tschernobyl. Soldat*innen hatten in der „Todeszone“ rund um Tschernobyl gegraben und wurden verstrahlt.
Auch wenn in der Region um Tschernobyl zur Zeit keine direkten Kampfhandlungen mehr stattfinden, hat der Krieg seine Spuren hinterlassen. Die Arbeiten vor Ort mussten für Monate gestoppt werden. Laufende Projekte, wie etwa die Planungen für ein zentrales Zwischenlager für den Atommüll, wurden ausgesetzt und mussten neu bewertet werden. Beschädigtes oder zerstörtes Equipment musste ersetzt oder repariert werden. Die Fernüberwachung der Radioaktivität war wochenlang außer Betrieb.
Am 25. Februar 2025 traf eine Drohne die „New Safe Confinement“ (NSC). Das Aufprall erzeugte ein etwa sechs Meter breites Loch im NSC‑Dach und löste langanhaltende Brände aus.Diese schwelten sehr lange weiter. Erst am 7. März 2025 bestätigten ukrainische Einsatzkräfte, dass alle Schwelbrände gelöscht seien
Die Brände verursachten einen erhebliche Schäden – umfangreiche Reparaturen an der Schutzhülle sind nun nötig.
FAQ Tschernobyl
Virtuelle Ausstellung: "Fukushima, Tschernobyl und wir"
Was genau ist in Fukushima und Tschernobyl passiert? Welche Auswirkungen haben die Unfälle bis heute? »
Aufzeichnung zum Vortag: Krieg und Atomkraft
.ausgestrahlt Podcast
Weitere Informationen und Hintergrund
Fotos von Tschernobyl und Umgebung
alle Fotos von Alexander Tetsch, 2011.