In Frankreich entsteht eines der größten Industrieprojekte der Welt: Unter Mitwirkung von Deutschland wird dort der Fusionsreaktor „International Thermonuclear Experimental Reactor“ (ITER) gebaut. Die Kosten explodieren, ein Nutzen dieser Technik für die künftige Energiegewinnung ist äußerst fraglich. Und der Berg Atommüll würde weiter stetig anwachsen.
Die Stabilität der deutschen Stromversorgung hat sich trotz des Atomausstiegs verbessert: Unabhängig vom Strommix werden die Ausfallzeiten und benötigte „Regelenergien“ immer geringer.
Das Ergebnis einer neuen Studie steht konträr zur Propaganda der Atomlobby, die ihre Atomkraftwerke als „Klimaschützer“ bewirbt: Die international vereinbarten Klimaschutzziele zu erreichen wird von Ländern mit Atomausstiegsplänen motivierter verfolgt. Länder mit Ausbauplänen sind weniger ambitioniert.
In einem Brief an ihren nordrhein-westfälischen Amtskollegen Johannes Remmel (Grüne) erwägt Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) Ende Juli erstmals eine Betriebsende für die Urananreicherungsanlage in Gronau. AtomkraftgegnerInnen fordern einen umgehenden, detaillierten Stilllegungsfahrplan.
Mit einem Rechtsgutachten belegen AtomkraftgegnerInnen, dass ein Exportstopp von AKW-Brennstoff aus der Brennelemente-Fabrik in Lingen (Westfalen) möglich ist. Mehr noch: Bestehende Ausfuhrgenehmigungen für die Meiler Cattenom, Fessenheim oder Doel könnten aus „Vorsorgegründen“ widerrufen werden.
Der „World Nuclear Industry Status Report“ liefert einmal im Jahr kritische Fakten zum Abgesang der Atomenergie weltweit. Der Trend seit Jahren: Erneuerbare Energien werden immer günstiger und dadurch alte Atomkraftwerke immer unrentabler. Die Atomkonzerne geraten unter finanziellen Druck, teilweise legen sie ihre Meiler sogar vorzeitig still.
Weil die Klagen gegen den Atomausstieg nicht entschieden sind, ist Atomkraftwerk Unterweser nach Auskunft der stellvertretende Leiterin des Kraftwerks „bereit zum Wiederanfahren". Dieser Zustand kann noch Jahre anhalten.
Mit dem beschlossenen Austritt Großbritanniens aus der EU ist der Neubau des dortigen Atomkraftwerk Hinkley Point „unwahrscheinlicher denn je“ geworden. Die Fördermittel durch Euratom dürften wegfallen und die Zusammenarbeit mit Frankreich schwieriger werden. Das Todesurteil für das „Prestigeprojekt der Atomlobby“.
Am vergangenen Freitag formulierte die Umweltministerkonferenz (UMK) die Forderung an die Bundesregierung, die Urananreicherungsanlage Gronau und das Brennelementewerk Lingen zu schließen. Was fehlt, ist ein konkreter und gesetzlich verankerter Zeitplan.
Vergangene Woche haben in Berlin etwa 8.000 Menschen unter dem Motto „Energiewende retten“ demonstriert. Die Stimmung war kämpferisch und sehr gut - trotz der wirklich gravierenden politischen Entscheidungen.