Wegen einer Störung wurde das niedersächsische Atomkraftwerk Grohnde gestern (Dienstag) vom Netz genommen. Betreiber Eon spricht von „vorbeugender Instandsetzung“. AtomkraftgegnerInnen fordern die Stilllegung des störanfälligen Meilers wegen des unkalkulierbaren Risikos eines schweren Unfalls.
Aus der Reihe „Sicher bleibt nur das Risiko“ – die Schlagzeilen aus den vergangenen Tagen: Reaktor im französischen AKW Flamanville abgeschaltet ::: Funktionsstörung im AKW Philippsburg-2 ::: Reaktorblock in Ukraine nach Panne wieder am Netz.
Auf eine 3 mit elf Nullen ist AKW-Betreiber RWE zur Zeit besonders stolz: Einer der beiden letzten Siedewasserreaktoren Deutschlands hat am 8. Dezember 2014 seit Betriebsbeginn diese Menge an Strom in Kilowattstunden erzeugt. Die Meiler in Gundremmingen gehören zu den unsichersten, die noch laufen dürfen.
Es sind die Erinnerungen an Tschernobyl, die gestern den großen Wirbel um einen vergleichsweise kleinen Störfall in Europas größtem Atomkraftwerk verursacht haben. Gegen Mittag sprach der ukrainische Regierungschef Arseni Jazenjuk von einer „Havarie“ im AKW Saporoschje, die sich später „nur“ als technischer Defekt und Notabschaltung entpuppte.
Dass vor allem in Süddeutschland Wildpilze, Waldbeeren und Wildfleisch noch teilweise gefährlich hoch mit radioaktivem Cäsium belastet sind, belegen Untersuchungen des Umweltinstitut München. Fast 30 Jahre lang sammelt das Institut seit dem GAU von Tschernobyl Messergebnisse und stellt nun eine interaktive Landkarte zur Verfügung.
Im November 2014 mussten 12 Störfälle, Vorkommnisse oder Abweichungen vom regulären Betrieb in Atomanlagen verzeichnet werden. Davon betroffen sind auch sieben deutsche Anlagen. Seit Jahresbeginn summieren sich die Störungen in Deutschland damit auf 68, davon 51 meldepflichtige.
Im belgischen Atomkraftwerk Tihange ist gestern ein Transformator explodiert und hat für die Notabschaltung des Reaktors gesorgt. Erinnerungen werden wach an das niedersächsische AKW Krümmel, dass nach einem vergleichbaren Unfall letztlich nicht wieder in Betrieb genommen werden durfte.
In Frankreich fliegen Drohnen unbehelligt über Atomanlagen – mögliche Anschläge wären katastrophal. Mit einer Studie belegt Greenpeace, wie real die Gefahren und wie anfällig die Atomanlagen für terroristische Angriffe sind.
Der Meiler Isar-II in Bayern soll als einer der letzten in Deutschland vom Netz gehen. Noch bis 2022 soll der Leistungsbetrieb des Atomkraftwerks gemäß des Atomausstiegs möglich bleiben. Doch neben den anderen acht Reaktoren kommt auch dieses Kraftwerk in die Jahre, das beweisen immer häufiger auftretende Störungen und Defekte.
Im Block C des bayrischen Atomkraftwerks Gundremmingen hat es einen „technischen Fehler“ gegeben. Die Leistung musste reduziert werden. AtomkraftgegnerInnen fordern die sofortige Stilllegung der letzten noch in Betrieb befindlichen Siedewasserreaktoren in Deutschland.